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2005 Zwanzig Jahre im Dienst der Kunst und der zeitgenössischen Künstler

Das WHO’S WHO IN INTERNATIONAL ART feiert sein 20-jähriges Jubiläum.

Eine ganze Generation hat sich an den Worten des jungen Poeten Arthur Rimbaud inspiriert, um das „Leben zu verändern“. Wir möchten davon erzählen, wie das — bescheidene — Team, welches WHO’S WHO IN INTERNATIONAL ART geschaffen hat, auch vom Wind der Veränderungen mitgerissen wurde.

Empört über das hartnäckige Schweigen, das die meisten Künstlerinnen und Künstler, Opfer eines engstirnigen und unnachgiebigen Kunstmarkts, umgibt, hat sich unser Team das wahnwitzige Ziel gesetzt, „den Blick der Öffentlichkeit auf die Welt der Künstler zu verändern“. Im Rampenlicht sollen nicht mehr ausschließlich die Lieblinge der Medien, der Institutionen und der großen Kunsthändler stehen. Ein wahnwitziges Ziel, meinten damals alle, so auch — und vor allem — die Künstlerinnen und Künstler selbst...

Es gibt Vorstellungen, die, selbst wenn sie am Verlieren sind, nicht nachgeben. Eine davon ist die fixe Vorstellung, dass nur die Galerien und die Behörden das Recht haben, über das Schicksal der Künstlerinnen und Künstler zu „entscheiden“.

Dies überraschte uns am allermeisten. Es ist offensichtlich, dass die Künstlerinnen und Künstler von dieser Vorstellung wegkommen müssen, die Tag für Tag für die Ignoranz verantwortlich ist, unter der die meisten von ihnen leiden. Dennoch waren die Ersten, die sich dagegen auflehnten, auch die Hauptbetroffenen: die Künstlerinnen und Künstler. Warum?

In zahlreichen Gesprächen mit ihnen haben wir gemerkt, dass die Welt der Künstlerinnen und Künstler nach wie vor von den Galerien geprägt ist. Jeder wartet darauf, dass ihm „sein“ Händler über den Weg läuft, wie Picasso, der „durch Zufall“ auf Kahnweiler stieß. Als ob die 80-er Jahre, verändert durch den Durchbruch der neuen Technologien, Faxgeräte, Computer und, etwas später, das Internet, und eine Kunstwelt, die wie die gesamte Wirtschaft einem immer härteren, um nicht zu sagen, wilden, Wettbewerb unterliegt, was sowohl den Markt wie auch die institutionalisierte Szene betrifft, kurz, als ob eine solche Situation keinen neuen Zugang zum zeitgenössischen Kunstmarkt forderte.

In Wahrheit geschah nichts dergleichen. Die Geschichte der modernen Kunst und ihres Marktes bestimmte weiterhin die Beziehung der Künstlerinnen und Künstler zu ihrem Beruf und zur Welt der Kunst. Gleichzeitig gingen Tausende von Künstlerinnen und Künstlern durch die Welle der Mediatisierung der Galerien seit den Impressionisten und durch die Mediatisierung der Galerien und Institutionen seit den 60er Jahren vergessen (schließlich lebten schon 1850 4450 professionelle Künstlerinnen und Künstler in Paris und heute sind es in Europa und den USA über eine Million).

Die meisten Künstlerinnen und Künstler — bis auf ein paar Vorläufer — verschlossen die Augen vor der Unzulänglichkeit des Publikums gegenüber dem vielfältigen und reichen künstlerischen Schaffen. Sie vergaßen auch, dass sich die Lage nicht verändern würde, indem sie weiterhin passiv auf ihren Händler warteten.

Es gab allem Anschein nach trotz einer, nicht nur in den Großstädten, immer größer werdenden Zahl von Galerien einen Widerspruch zwischen den Vertriebswegen, die auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückgehen, und dem tatsächlichen Zugang zum zeitgenössischen Publikum.

Dieser Widerspruch war auch denjenigen Galerien, die sich als zeitgenössisch verstehen, nicht entgangen. Sie lancierten Kunstmessen, um ein größeres Publikum zu treffen und so eine neue Kundschaft für sich zu gewinnen.

Unserer Arbeit bestand während zahlreichen Jahren darin, die Künstlerinnen und Künstler von der einfachen, aber grundlegenden Idee zu überzeugen, dass jeder einzelne, ohne sich dafür zu schämen, „reagieren und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss“, wie es viel später die französische Videokünstlerin Sylvie Blocher erklärte (am ersten nationalen Treffen des plastischen Künste in Paris, vom 17. bis zum 20. September 2003).

Es konnte nicht darum gehen, „Wunder“ zu versprechen, nur weil die Künstlerinnen und Künstler selbst mit anpacken, indem sie (bzw. ihre Familie, Freunde oder Mäzenen) investierten, soviel sie konnten. Aber es stand fest, dass die Zukunft noch hoffnungsloser aussehen würde, wenn die Künstlerinnen und Künstler nicht aktiver an der Verbreitung ihrer Werke teilnehmen.

Mit anderen Worten: die Künstlerinnen und Künstler mussten an Sichtbarkeit gewinnen, denn im zeitgenössischen Kunstmarkt heißt „sichtbar sein“ nichts anderes als „existieren“. Heutzutage ist dies eine Selbstverständlichkeit.

Diese neuen „Künstler und Unternehmer“, wie wir sie auf der Redaktion schon vor sehr langer Zeit nannten, wurden rasch zahlreicher und zahlreicher. Hier, aber auch anderswo. Neben neuen Publikationen sah man immer mehr Salons, Ausstellungen, gemeinschaftliche Räume, Ateliers mit „offener Türe“, die von Künstlerinnen und Künstlern gegründet wurden oder dank ihnen existierten. Dank diesem Antrieb konnte — im Westen — ein breiteres Publikum die zeitgenössische Kunst entdecken.

Man wird es uns verzeihen, wenn wir die Aufmerksamkeit auf uns lenken, denn wir haben diese Entwicklung nicht nur angekündigt, sondern wir haben aktiv dazu beigetragen, zu einem Zeitpunkt, wo „anderswo“ das Interesse sehr gering war.

Wir haben die Künstlerinnen und Künstler unermüdlich an die Notwendigkeit erinnert, ihre Karriere, d.h. die Verbreitung ihrer Werke, selbst in die Hand zu nehmen (was für die Redaktion Tausende seit der Geburt unserer Ausgabe wiederholte Kontakte bedeutet), wir haben auf alle möglichen Informationskanäle zurückgegriffen, um sie mit einem anspruchsvollen und professionellen verlegerischen Hintergrund dabei zu unterstützen.

Nach dem WHO’S WHO IN INTERNATIONAL ART haben wir auf diese Weise Kunstkarten-, Kunstmarken-, Estampen- und Monographiesammlungen geschaffen, die bis heute unvermeidliche (und oft nachgeahmte...) Nachschlagewerke bleiben.

Wir haben zusätzlich zu diesen Publikationen thematische Ausstellungen auf die Beine gestellt, sei es im Rahmen des Programms (Eloge des Kleinformats in der zeitgenössischen Kunst oder die Internationalen Tage der Malerei in Paris), sei es im Rahmen von Messen, wie zum Beispiel die Internationale Genfer Buchmesse oder der Dekorationsmesse in Nizza.

Seit der Erfindung des Internets haben wir alljährlich die neue Ausgabe des WHO’S WHO IN INTERNATIONAL ART auf Netz gebracht, um so einem möglichst großen Publikum den — kostenlosen — Zugang zu schaffen. Die Tausenden von Leserinnen und Lesern des Informationsbriefs, der auch gratis vertrieben wird, erlauben uns zu behaupten, dass der wirkliche Alltag der Künstlerinnen und Künstler nicht mehr ausschließlich von ihnen selbst geteilt wird. Das Publikum könnte mehr davon berichten...

In den letzten 20 Jahren haben wir so über 3000 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt vorgestellt und bekannt gemacht. Gleichzeitig haben unsere Untersuchungen und Dossiers über den Kunstmarkt, die Institutionen und das Verhältnis zum Kunstschaffen im Allgemeinen den Leserinnen und Lesern des WHO’S WHO IN INTERNATIONAL ART Mechanismen, die bislang im Dunkeln blieben oder nur der Welt der Künstler zugänglich waren, aufgezeigt. Unter anderem: Einführung in den zeitgenössischen Kunstmarkt; Das Mäzenentum der Unternehmen, Gebrauchsanweisung oder Die Herzseite der Unternehmen; Mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrer Geburt: die Kunstmessen, für wen und wozu?; Galeristen und Künstler: haben sie noch etwas gemeinsam?; Sind die Künstler zum Verschwinden verurteilt?; Eloge der zeitgenössischen Kunstpraxis; Wer kauft heute Kunst? — usw.

Die Feedbacks der Künstlerinnen und Künstler zu unseren Publikationen sind zahlreich. Wir bereiten eine Art Goldbuch vor, um sie während unseres 20-jährigen Jubiläums im nächsten Informationsbrief vorzustellen. Wir möchten dennoch nicht ohne sie abschließen.

Hier das Feedback des Künstlers D. Larivière. Es fasst die meisten Reaktionen, die wir in den letzten Jahren erhalten haben, zusammen: „Ich finde es nüchtern und wirkungsvoll (...), sehr gut gemacht. Ich möchte unterstreichen, dass, was mich betrifft, das Who’s Who In International Art ein großer Schritt in der Entwicklung meiner Karriere war, denn seit einigen Monaten überstürzen sich die Ereignisse (...) Alles verändert sich mit einer Geschwindigkeit, die mich selbst überrascht.“

Oder die Worte von Jean-Pierre Dufour: „Ich bin zugleich glücklich und stolz, in einem Werk von solcher Qualität dabei zu sein, (...) klar, präzis, einfach zu konsultieren, und nicht zu vergessen: schön!“

Liebe Leserinnen und Leser, Sie werden verstehen, dass diese Worte von Künstlern nach so vielen Jahren Arbeit (und manchmal Unverständnis) im Dienst der Kunst und der Künstler, ein Geschenk sind, das wir uns zum Abschluss dieses Überblicks schenken.

Wir möchten auch Ihre Worte in die folgenden Retrospektive einfügen, in der die bisher im WHO’S WHO IN INTERNATIONAL ART vorgestellten Künstlerinnen und Künstler vereinigt werden und ohne die es nicht seinen heutigen Platz in der zeitgenössischen Kunstwelt einnehmen würde.

Wir danken allen, Künstlerinnen, Künstlern, Leserinnen und Lesern! Rücken wir die zeitgenössische Kunst wie bisher gemeinsam ins rechte Licht. — es bleibt noch so viel zu tun.

Die Redaktion

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